Bildungspolitische Veränderungen und deren Auswirkungen auf das Praktikum

Seit Bologna (1999) und Lissabon (2001) wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der Europa als eine gemeinsame Bildungslandschaft vereint und im globalen Wettbewerb als einzigartigen Innovations- und Leistungsstandort etablieren soll. Diese durchaus positive Entwicklung, zur Förderung von Bildung und die Verbesserung der EU – weiten Durchlässigkeit und Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen, erzeugt jedoch bei den Hochschulen einen massiven Akkreditierungsdruck.

Darüber hinaus erklärte die World Trade Organization (WTO) im Zuge dieses Prozesses im s.g. GATS – Abkommen (General Agreement on Trade in Services) Bildung zur Ware. Ebenso wie andere öffentliche Dienstleistungen kann damit Hochschulbildung frei auf einem neuen „Bildungsmarkt“ gehandelt werden. Im Glauben daran, auch in diesem Bereich die Leistung durch Wettbewerb steigern zu können, werden die Hochschulen einer enormen Konkurrenzsituation untereinander ausgesetzt. Natürlich bleibt das für die Lehre an den Hochschulen nicht folgenlos.

Besonders praktische Studienanteile werden in die Berufseinstiegsphase oder präsenzarme Zeiten verschoben.
Vor allem im sozialen Bereich nimmt jedoch Praxis als Bestandteil des Studiums einen entscheidenden Stellenwert ein. Ein Praktikum zeichnet sich durch eine fachlich begleitete Anleitung aus. Es muss möglich sein, anspruchsvolle und krisenhafte Situationen zu reflektieren, zu analysieren, um somit fundiertes Wissen sowie Erfahrungen zu erwerben und fachlich handlungsfähig zu werden.

Dies setzt vor allem Zeit voraus. Im aktuellen Arbeitsalltag Sozialarbeitender verkommt Zeit jedoch aufgrund deseingeschlagenen politischen Kurses zu einem raren Gut.

Der Erwerb von Erfahrungswissen in der direkten sozialpädagogischen Tätigkeit als fundamentales Element des Studiums findet in Zeiten beschleunigter Bildungsbiografien zu weiten Teilen in prekären Verhältnissen statt.

Rund 2/3 der Studierenden müssen neben ihrem unbezahlten Vollzeitpraktikum während des Studiums ihren Lebensunterhalt teilweise oder ganz durch Nebentätigkeiten finanzieren. Der Trend zeigt, dass immer mehr Studierende, gerade bei nichtprivilegierter sozialer Herkunft, selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen müssen.

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